Lederstiefel, High Heels, Strumpfhosen oder ein glänzender Rock: Viele Kleidungsstücke, die heute ganz selbstverständlich zur Mode gehören, tauchen gleichzeitig in der Fetischmode auf. Das führt zu einer interessanten Frage: Kann man einem Kleidungsstück überhaupt ansehen, ob es Fetischmode ist?
Die Antwort ist weniger eindeutig, als man zunächst vermuten könnte.

Das Kleidungsstück allein entscheidet nicht
Ein Paar schwarze Stiefel kann zum ganz normalen Herbstoutfit gehören. Eine Lederhose kann Teil eines modischen Looks sein und eine Strumpfhose klassische Bürokleidung.
Dieselben Dinge können für andere Menschen jedoch eine besondere Faszination besitzen.
Die Grenze liegt deshalb häufig nicht im Kleidungsstück selbst, sondern darin, welche Bedeutung ihm gegeben wird.
Materialien verändern die Wahrnehmung
Trotzdem gibt es Materialien, die besonders häufig mit Fetischmode verbunden werden. Leder, Latex, Lack und Vinyl gehören zu den bekanntesten Beispielen.
Ein Grund dafür ist ihre auffällige Optik und Haptik. Glänzende Oberflächen reflektieren Licht, Leder besitzt eine charakteristische Struktur und Latex liegt besonders eng am Körper an.
Doch auch Materialien wie Nylon, Satin oder Spitze können eine besondere Faszination auslösen.
Die Mode übernimmt immer wieder Elemente
Interessant wird es, wenn ursprünglich mit bestimmten Szenen verbundene Kleidungsstile plötzlich auf Laufstegen und in normalen Geschäften auftauchen.
Overknees, Korsetts, Choker, Netzstoffe oder Lackelemente erleben beispielsweise regelmäßig neue Modephasen. Was in einer Generation noch ungewöhnlich wirkte, kann einige Jahre später Bestandteil eines ganz normalen Outfits sein.
Dadurch verschiebt sich auch die Grenze zwischen Mainstream- und Fetischmode ständig.
Kombination und Inszenierung spielen eine Rolle
Nicht nur das Kleidungsstück selbst verändert seine Wirkung. Entscheidend ist auch, womit es kombiniert wird.
Hohe Lederstiefel können mit Jeans und Strickpullover vollkommen alltäglich aussehen. Zusammen mit anderen auffälligen Materialien entsteht dagegen möglicherweise ein deutlich extravaganterer Stil.
Mode funktioniert deshalb immer im Zusammenspiel von Material, Schnitt, Kombination und persönlichem Auftreten.
Vielleicht gibt es die klare Grenze gar nicht
Gerade das macht das Thema interessant. Mode und Fetischmode sind keine zwei vollständig getrennten Welten.
Sie beeinflussen sich gegenseitig, übernehmen Materialien und Formen voneinander und verändern sich ständig.
Was für einen Menschen einfach ein schönes Kleidungsstück ist, kann für einen anderen eine besondere persönliche Bedeutung besitzen. Die Faszination entsteht deshalb nicht allein im Kleiderschrank – sondern vor allem durch unsere Wahrnehmung.



